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Eine ungewöhnliche Fliegerkarriere

 
photo:  (Hugo Marom (rechts). Foto: Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
 

Zum Tod von Hugo Marom, der 1939 als jüdisches Kind von Sir Nicholas Winton aus der Tschechoslowakei gerettet wurde.

 
 

Seine Leidenschaft war das Fliegen, und das machte er letztlich auch zu seinem Beruf. Hugo Marom war viele Jahre lang Pilot bei der israelischen Armee. Die Begeisterung für Flugzeuge begann jedoch schon als zehnjähriger Junge. Gegenüber dem Tschechischen Rundfunk erinnerte er sich an eine Begebenheit aus dem Jahr 1939 in Brno / Brünn:

„Wir kommen gerade vom jüdischen Friedhof, als dort ein Jagdflieger steht. Das war bereits während der Okkupation durch die Nazis. Das Heck stand in unsere Richtung und hat uns fast den Weg versperrt, denn direkt dort begann die Start- und Landebahn. Wir Jungs hatten noch nie ein Flugzeug von so nah gesehen. Mich hat das begeistert. Damit hat alles begonnen.“

Kurz darauf entscheiden sich seine Eltern zu einem Schritt, der Hugo Meisl, wie er damals noch heißt, vor dem Holocaust rettet. Am 3. August 1939 werden er und sein jüngerer Bruder Rudi mit dem letzten der sogenannten „Kindertransporte“ von Sir Nicholas Winton nach London geschickt. Die Eltern bleiben zurück in der von den Nazis besetzten Tschechoslowakei. Im Tschechischen Fernsehen sagte Marom dazu einmal:

„Sie waren die wahren Helden, auch wenn sie von den Konzentrationslagern noch nichts wussten. Vielleicht hatten sie so eine Vorahnung, dass sich die Lage verschlechtern würde. Vor allem wollten sie den Kindern das Gefühl geben, dass diese lediglich einen schönen Urlaub vor sich hätten, dass England interessant sei, der Fußball dort zum Beispiel.“

Seine Eltern überleben den Holocaust nicht, sie werden von den Deutschen in den Vernichtungslagern umgebracht.

Noch während des Kriegs geht Hugo Marom freiwillig in Großbritannien auf die Kadettenschule. Dann kehrt er in die Tschechoslowakei zurück und studiert Ingenieurswesen.

„Eines schönen Tages kam ein Tscheche namens Gat Polák. Er war wohl Zionist und um 1930 nach Palästina ausgewandert. Er kam auf mich zu und sagte: ‚Ich weiß, dass du in der Royal Airforce warst. In Olmütz planen wir einen Kurs, um Piloten für Israel auszubilden. Die Ausbildung hier dauert ein halbes Jahr, dann ein halbes Jahr in Israel. Danach kehrst du zurück, um dein Studium zu beenden‘“, so Marom gegenüber Radio Prag.

Damit nimmt Hugo Maroms weiteres Schicksal seinen Lauf. Bei der Flugausbildung lernt er seine spätere Frau Marta kennen. Beide gehen nach Israel – und aus einem halben Jahr wird ein ganzes Leben.

Hugo Marom tritt in die israelische Armee ein und ist bereits im Palästinakrieg im Einsatz. Als er später aus dem Militärdienst ausscheidet, gründet er eine Ingenieurs-Consulting-Firma. Der geborene Brünner hilft beim Bau von Flughäfen auf der ganzen Welt.

Die ganze Zeit über liegt ihm aber auch seine ursprüngliche Heimat nahe. Er setzt sich für die israelisch-tschechischen Beziehungen ein. Dafür ehrt ihn der damalige tschechische Außenminister Karel Schwarzenberg im Jahr 2011 mit dem Preis Gratias Agit. Hugo Marom ist am Sonntag im Alter von 89 Jahren in Tel Aviv gestorben – im Kreis seiner Angehörigen, wie es hieß.

 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 09.01.2018
 
 
 

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