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Suchtbekämpfung bis ins Internet

 
photo:  (Foto: Kristýna Maková, Archiv des Tschechischen Rundfunks - Radio Prag)
 

Der Missbrauch von Rauschmitteln liegt in Tschechien über dem europäischen Durchschnitt. Dies ist eine der Warnungen, die die Drogenbeauftragte der tschechischen Regierung, Jarmila Vedralová, ausgesprochen hat. Nachzulesen ist alles im Konzept für den Kampf gegen Drogen, das vergangene Woche vorgestellt wurde. Dort ist erstmals auch der übermäßige Internetkonsum ein Thema sowie das Dealen im Darknet.

 

Zocken beispielsweise am Handy – das hat in den letzten Jahren immer größere Ausmaße angenommen. Laut der Drogenbeauftragten sitzt hierzulande mehr als ein Viertel der 16-jährigen Schülerinnen und Schüler täglich vor Computerspielen. Auch deswegen verbringen 42 Prozent der Jugendlichen am Tag mehr als vier Stunden im Internet. Es ist ein relativ neues Phänomen, das im letzten Strategiepapier zum Kampf gegen Drogen noch nicht berücksichtigt worden war. Viktor Mravčík leitet das tschechische Monitoring-Zentrum für Drogen und Sucht. Er meint sogar:

„Vom übermäßigen Internetkonsum sind wahrscheinlich rund 75 Prozent der erwachsenen Bevölkerung betroffen.“

Bei den Jugendlichen setzt sich immerhin der Trend durch, dass sie dann auch weniger rauchen, Alkohol trinken oder illegale Drogen zu sich nehmen:

„Das kommt zum Teil davon, dass die Heranwachsenden ihre Freizeit nicht mehr so häufig draußen verbringen, wo sie eher in den Kontakt mit Suchtmitteln kommen. Einerseits ist das positiv, auf der anderen Seite birgt dies das Risiko, dass sie mehr Zeit im Internet und in den Social Media verbringen“, so Mravčík.

Gerade mit dem Internet hängt auch eine weitere neue Entwicklung zusammen: der Verkauf von Drogen im sogenannten Darknet. Damit ist der verborgene Bereich im Web gemeint, und dort tummeln sich jede Menge Schwarzhändler. Jakub Frydrych leitet die Polizeizentrale zum Kampf gegen Drogen:

„Dadurch ist ein neuer Typ von Nutzern entstanden, der mit unterschiedlichen psychoaktiven Drogen herumexperimentiert und diese per Internet bestellt. Auf der anderen Seite stehen jene Leute, die daran verdienen wollen. Da dies vielleicht wiederholt geklappt hat, bauen sie ein kleines Verteilernetz auf. Und die Produzenten müssen dann nicht mehr den Kontakt zu kriminellen Banden suchen.“

In diesen Bereichen ermittelt mittlerweile auch die tschechische Polizei. Nicht geändert gegenüber dem Konzept von 2010 hat sich das Problem legaler Rauschmittel. Der Tabakkonsum ist zwar am Sinken, doch weiterhin greifen zwei Millionen Menschen hierzulande täglich zur Zigarette. Im europäischen Vergleich bedeutet das eine Platzierung im Mittelfeld. Übermäßig ist jedoch der Alkoholkonsum. Die Drogenbeauftragte Jarmila Vedralová will dagegen mit mehreren Mitteln vorgehen. Neben langfristigen Aufklärungskampagnen bedeutet das auch weniger Werbung.

„Wir arbeiten daran, dass die Werbung für Alkohol ähnlich reguliert wird wie die für Tabakwaren. Allerdings wird es mindestens einen Unterschied geben. Tabakwerbung ist im Fernsehen komplett verboten, für Alkohol soll hingegen eine zeitliche Beschränkung gelten. Vorstellbar ist, dass erst ab 22 Uhr solche Reklame gesendet werden darf“, erläutert Vedralová.

Damit sollen vor allem Jugendliche geschützt werden. Die einzelnen Maßnahmen hat die Drogenbeauftragte aber noch nicht ausgearbeitet. Entsprechende Aktionspläne sollen erst im Herbst vorliegen.

Vedralová empfiehlt in ihrem Papier zudem, Zigaretten und Alkohol teurer zu machen. Entsprechende Steuererhöhungen hat Finanzministerin Alena Schillerová (parteilos) ebenfalls vergangene Woche vorgestellt. Doch Politiker der Opposition zum Beispiel können nicht verstehen, warum die Branntweinsteuer erhöht wird, Bier aber womöglich sogar billiger werden könnte. Denn das Kabinett plant eine Senkung der Mehrwertsteuer für Schankbier. Tomáš Vymazal von der Piratenpartei kritisierte im Tschechischen Fernsehen die Herangehensweise:

„Die Steuern anzuheben und damit auch die Preise ist sicher der richtige Weg, aber es muss der ganze Markt berücksichtigt werden. Wenn Zigaretten teurer werden, aber wir per Preispolitik den Übergang zu Alternativen wie beispielsweise Tabakerhitzern verhindern, dann haben die Menschen keine Motivation, das Rauchen aufzugeben. Das gilt auch für den Alkohol: Wenn wir Schnaps verteuern, aber Bier verbilligen, dann bewegen wir nichts. Wir müssen alles verteuern.“

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 20.05.2019
 
 
 

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