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Sudetendeutsche Ehrung für Ex-Museumsleiter Děd

 
photo:  (Zuzana Finger und Stanislav Děd (Foto: Martina Schneibergová))
 

Stanislav Děd hat 17 Jahre lang das Museum im nordböhmischen Chomutov / Komotau geleitet. Er engagierte sich sehr für die Erneuerung der Beziehungen zwischen den heutigen Bewohnern der Region und den von dort vertriebenen Deutschen. Außerdem setzte sich Děd für eine Ausbesserung halbzerfallener jüdischer und deutscher Gräber rund um Chomutov ein. Für seinen Beitrag zur deutsch-tschechischen Verständigung wurde der ehemalige Museumsleiter vor kurzem mit dem Sudetendeutschen Volkstumspreis ausgezeichnet.

 

Bei seinem Gang aufs Podium wurde der ehemalige Leiter des Museums von Chomutov, Stanislav Děd, von tosendem Beifall begleitet. Von der Sudetendeutschen Landsmannschaft wurde er in Regensburg mit dem Sudetendeutschen Volkstumspreis ausgezeichnet. Die Laudatio hielt die Heimatpflegerin der Sudetendeutschen, Zuzana Finger. Über den diesjährigen Preisträger sagte sie gegenüber Radio Prag.

„Herr Děd ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit in der Museumslandschaft der Tschechischen Republik. Er genießt bei den sudetendeutschen Landsleuten einen sehr guten Ruf und ist ein geachteter Partner und Ratgeber. Auch menschlich spielt er für die Landsleute nicht nur aus der Gegend von Komotau eine herausragende Rolle. Wir wollten dies mit dem Volkstumspreis zum Ausdruck bringen. Er hat in den 17 Jahren seines Wirkens im Komotauer Museum 137 Ausstellungen zu Themen aus der deutsch-tschechischen Geschichte organisiert. Das ist eine außerordentliche Leistung.“

Die Wahl der Jury habe ihn zuerst überrascht, als er den entscheidenden Brief bekommen habe, räumte der langjährige Museumsleiter Stanislav Děd nach der Zeremonie in Regensburg ein.

„Für mich ist der Preis ein Beweis dafür, dass das, was ich Jahre lang gemacht habe, einen Sinn hatte und dass die Ergebnisse meiner Arbeit nicht verschwinden. Ich habe dabei viel Neues kennenlernen können, und dafür bin ich dankbar. Hätte ich damals vor Jahren nicht im Museum angefangen, wäre ich nie zu meiner Tätigkeit in dem Bereich gekommen. Kann sein, dass ich heute auf einer Bank im Park sitzen und ein normales Rentnerleben führen würde. Dafür habe ich aber noch keine Zeit.“

Er sei vor 17 Jahren damit beauftragt worden, das Museum in Chomutov wiederzubeleben, erzählt Stanislav Děd. Er sollte es sichtbarer machen für die Öffentlichkeit:

„Dies kann man nur mit Ausstellungen erreichen. Wir haben 15 bis 17 Ausstellungen im Jahr veranstaltet. Einen bedeutenden Teil davon haben wir selbst zusammengestellt, einige haben wir auch aus Deutschland ausgeliehen. Die Zahl mag hoch wirken, aber wir hatten genügend Räumlichkeiten zur Verfügung. Natürlich war das anspruchsvoll für die Mitarbeiter. 32 von den insgesamt 173 Ausstellungen habe ich selbst als Autor zusammengestellt.“

Stanislav Děd wurde vor zwei Jahren von der Kreisverwaltung in Aussig von seinem Direktorposten abberufen. Medien zufolge war Děds Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen den dort regierenden Kommunisten ein Dorn im Auge. Obwohl Děd in der nachfolgenden Ausschreibung für den Posten des Museumsdirektors gesiegt hat, wurde er nicht zum Leiter ernannt. Die Abberufung hat er überwunden. Ihn stört jedoch die undurchsichtige Situation in der Führung der Kulturinstitutionen. Gegenüber dem Kultursender des Tschechischen Rundfunks sagte er vorige Woche:

„Mich stört am meisten, dass die Stellung der Leiter von Kulturinstitutionen des Kreises Aussig mit der von Leibeigenen vergleichbar ist. Sie werden nicht für eine bestimmte Zeit ernannt und haben keine Möglichkeit, die wirklichen Gründe ihrer Kündigung zu erfahren. Sie können von einem Tag auf den anderen von ihrem Posten abberufen werden, da im Gesetz steht, dass sie der Rat des Kreises ernennt und abberuft.“

Stanislav Děd arbeitet nun mit dem Verein Omnium zusammen, der sich um die Rettung von Baudenkmälern kümmert.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 19.06.2019
 
 
 

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