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Tschechen beschweren sich häufiger wegen Geruchsbelästigung

 
photo:  (radio.cz)
 

Die Menschen in Tschechien rümpfen immer häufiger die Nase, wenn sie durch vermeintlich üble Gerüche belästigt werden. Die zuständige Umweltinspektion hat dazu im vergangenen Jahr fast 500 Beschwerden erhalten. Im Gesetz zum Schutz vor Luftverschmutzung ist jedoch keine Grenze für die Wahrnehmung von Gestank festgelegt. Das wollen einige Politiker jetzt ändern.

 

In einer Kläranlage wird dem Wasser der dort zuvor angehäufte Unrat entzogen. Was dabei auch an Gestank freigesetzt wird, wissen unter anderem die Einwohner des siebten Prager Stadtbezirks. Helena Trinkewitzová beschreibt, warum sie die Kläranlage auf der Kaiserinsel schon seit mehr als 20 Jahren belästigt:

„Es riecht unangenehm, wenn man das Fenster im Schlafzimmer öffnet. Ich will es eigentlich nur etwas lüften vor dem Schlafengehen, doch stattdessen hat man das Gefühl, man schläft in einer Jauchengrube.“

Wie sie hätten sich auch mehrere Einwohner des benachbarten Stadtteils Dejvice mehrfach über den üblen Geruch beschwert, doch ohne Erfolg, so Trinkewitzová. Und diese Kläranlage sei längst kein Einzelfall, bestätigt der Direktor der Tschechischen Umweltinspektion, Erik Geuss:

„Im vergangenen Jahr hat die Inspektion 476 Beschwerden nur wegen üblen Geruchs erhalten. In der ersten Hälfte dieses Jahres lag die Zahl der Beschwerden schon weit über 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hier ist zweifellos eine steigende Tendenz zu beobachten.“

Allerdings, so räumt Geuss ein, seien auch Beschwerden darunter, die sehr unkonkret sind:

„Wir bekommen unter anderem auch Mails, bei denen sich die Absender nicht namentlich zu erkennen geben. Sie informieren uns nur über den vermeintlichen Ort, von wo der Gestank austritt, und schreiben: Unternehmt endlich etwas!“

Und was ein echter Gestank sei und was nicht, darüber gehen die Meinungen immer noch auseinander, sagt der Ano-Abgeordnete Pavel Pustějovský:

„Es wird sehr schwer sein, zu definieren, was Gestank ist und was nicht. Es muss eine Einheit gefunden werden, nach der das bewertet wird. Und auch wenn es schon eine Methode dazu gibt, es bleibt eine sehr subjektive Angelegenheit.“

Laut Erik Geuss sei diese Methode die sogenannte dynamische Olfaktometrie, also die Messung der Reaktion von Prüfpersonen auf den Geruchssinn betreffende Reize. Doch diese habe sich nicht bewährt, entgegnet Ondřej Charvát vom Umweltministerium.

„Einige Betriebe waren in der Lage, die vorgeschriebenen Limits einzuhalten. Dennoch fühlten sich Bewohner der Umgebung vom Gestank belästigt.“

Auf der anderen Seite halten einige Politiker die Zeit für gekommen, in dieser Sache wieder etwas mehr zu tun. Zu ihnen gehört der christdemokratische Abgeordnete und Bürgermeister des siebten Prager Stadtbezirks, Jan Čižinský:

„Das ist eine Sache, die einer breiten Diskussion bedarf. Denn zuerst einmal muss definiert werden, auf welche Weise der üble Geruch bestimmt wird, beziehungsweise was alles unter diesen Begriff fällt.“

Der Bürgerdemokrat Jan Zahradník ist Mitglied des Umweltausschusses im Abgeordnetenhaus. Er geht sogar noch einen Schritt weiter:

„Das ist die Sache des Umweltressorts. Denn wenn die zuständige Inspektion der Meinung ist, dass man dazu einen Paragrafen im Gesetz ändern müsse, dann sollte das Ministerium handeln. Es sollte eine Gesetzesnovelle ausarbeiten, über die wir im Ausschuss und dann auch im gesamten Parlament debattieren werden.“

Die Zeit wird zeigen, ob die Beschwerden der Bürger ausreichen, um hier etwas zu ändern. Fest steht aber, dass das Umweltbewusstsein der Tschechen langsam aber sicher weiter zunimmt.

 
 
Autor: Český rozhlas Radio Praha
 
Datum: 16.09.2019
 
 
 

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