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Tschechische Trachten

 
photo:  (archiv)
 

Die Tracht ist eine für einen gewissen Landstrich charakteristische Bekleidung. In der Tschechischen Republik, in den mit der historischen Landesaufteilung verbundenen Gebieten, machten die Volkstrachten eine ziemlich komplizierte Entwicklung durch. Die volkstümliche Bekleidung kann somit nur schwer rein historisch eingeteilt werden.

 
Gegenwärtig werden Trachten in der Tschechischen Republik nicht mehr getragen , aber die Menschen ziehen sie immer noch bei traditionellen Volksfesten und -vergnügen an, wie zu Schlachtfesten oder zu Fasching. Diese Tradition ist im Osten des Landes, in Mähren, stärker.

Blata

Die Tracht von Blata wird im Landstrich zwischen České Budějovice (Budweis), der Gegend um Tábor (Tabor), Jindřichův Hradec (Neuhaus) und der Gegend um Vodňany (Wodnian) getragen. Früher war sie bis nach Mähren und in den von Tschechen bewohnten Dörfern in Österreich verbreitet. Sie nimmt ein großes Gebiet ein und hat daher zwar einen einheitlichen Charakter, in den verschiedenen Regionen entwickelten sich jedoch Unterschiede, vor allem in bezug auf die Stickmuster.

Die Tracht von Blata, vor allem die Frauentracht , ist sehr reich an Stickereien . Typisch dafür war die Stickerei unter Anwendung von Perlen und Münzen . Die „Plena“ (ähnlich einem großen Tuch – siehe Abbildung der Frauentracht) war der prunkvollste Bestandteil der Bekleidung. Das Plena-Tuch wird über eine weiche dreiteilige Haube gebunden, vor deren Spitzenrand ein verziertes gesticktes Band hervorragt. Die Hemden pflegten in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts reich bestickt zu sein und wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch mit kleinen Korallen bestickt. Um den Hals über der bestickten Hemdbrust trug man eine „Auslage“, einen „výkladek“.

Die Männertracht bildete ein Gegenstück zum bunten Zierrat und zum Reichtum der Frauentracht. Die Tracht war elegant , in den oberen Teilen ins Dunkelgrüne oder Dunkelblaue abgestimmt. Die Hosen waren gewöhnlich aus gelbem Hirschleder , die Füße steckten in hohen Lederschuhen . Auf dem Kopf trugen die Männer eine hohe Pelzmütze.

Doudleby und Umgebung

Doudleby und Umgebung ist die südlichste Region Böhmens. Im Norden grenzt sie an das Gebiet Blata, im Süden an Österreich und Deutschland. Das Gebiet ist nach den ursprünglichen Bewohnern des Stammes der Doudlebi benannt, die hier in der Zeit der frühen böhmischen Geschichte siedelten.

Die Tracht verriet durch ihren Charakter und ihre Einfachheit, dass Doudlebsko ein ärmeres Gebiet war. Sie war nicht reich verziert, sondern eher bescheiden .

Die Frauentracht bestand aus einem anliegenden Unterhemd , darüber einem Hemd mit Ärmeln und dazu am häufigsten ein roter Rock mit einer Beuteltasche und eine Fülle von Unterröcken. Was die Farbe betrifft, war auf den Rock auch das Mieder abgestimmt, das die enge Taille betonte. Über die Schultern wurde ein buntes Seidentuch gehängt, auf das jede Frau stolz war.

Die Männertracht bestand aus gelben Hirschleder-Kniehosen – sog. „prastenky“ –, dazu gehörten blaue Strickstrümpfe und Schuhe mit Schnalle . Zur Tracht wurde ein kurzer oder langer Mantel getragen – „bunda“ (Jacke) genannt – und im Winter ein Pelz. Der Hut , der sog. „podstok“ aus Schweinshaar, war hoch wie ein Zylinder. Der Hauptbestandteil der Bekleidung und der Stolz des Besitzers war ein breiter Gürtel , vorne mit einer festen Schnalle versehen und mit feiner weißlicher Stickerei verziert. Die Gürtel waren nicht nur ein dekoratives Accessoire, sondern dienten auch als Aufbewahrungsort für Geld, vor allem, wenn der Mann auf Reisen war.

Haná

Genauso wie andere Gebiete in Böhmen und Mähren besaß auch Haná seine typische Tracht. Diese entsprach gänzlich dem Charakter der Landschaft, würdevoll und doch anmutig. Die Männertracht konnte manchmal einen zu prunkvollen und protzigen Eindruck hervorrufen, sie war allerdings sehr schön. In der Umgebung von Hačky war die Tracht aufgrund des Vorgebirgscharakters der Landschaft und der größeren Armut der Leute nicht so aufwändig, sie ahmte die Tracht von Haná lediglich nach und je mehr man sich von Haná entfernte, desto einfacher wurde sie und verlor den Reichtum der gestickten Verzierungen. Sie wurde früh durch gewöhnliche bürgerliche Kleidung ersetzt.

Die Männertrachten hatten im allgemeinen verschiedene Accessoires . Zu den interessantesten gehörten die Ledergürtel von Haná , die in der Gegend von Litovel (Littau) hergestellt und durch das Einhämmern feiner Metallplättchen verziert wurden, die oftmals durch enge Riemen aus verschiedenfarbigem Leder mit Stickereien kombiniert waren.

Die Tracht von Haná unterscheidet sich nach den jeweiligen Gegenden, vor allem durch die Farbe der Hosen – sog. „gatě“ – und der Blusen oder die Hutform. Der Einwohner von Haná bei Kroměříž (Kremsier), Holešov (Holleschau) und Prostějov (Proßnitz) trägt zum Beispiel rote breite Kunstlederhosen (von den Slowaken werden sie „baně“ genannt), die unter den Knien mit Troddeln festgesteckt werden.

Die Waden sind bis zu den Knöcheln mit Leinenwickeln - „veličky “ -  umwunden, die um etwa ein Drittel über den Schuh hinausgehen. Die Schuhe sind hoch und glänzend und an der vorderen Oberseite mit einer kleinen Wollrose verziert. Die Weste der Tracht von Hana ist aus grünem Stoff, um die Knopflöcher herum bunt bestickt und mit glänzenden (oftmals silbernen) Knöpfen verziert. Um den Körper sitzt ein lederner, schön bestickter Gürtel, der etwa eine Hand breit ist. Die Festkleidung von Hana bildet ein langer blauer Mantel mit reich gebauschtem Kragen, im Winter auch ein langer, bis auf die Hacken reichender rötlicher oder bräunlicher Pelzmantel. Die männlichen Einwohner von Haná trugen lange Haare und waren rasiert.

Die verheirateten Frauen zeigten niemandem (nicht einmal dem eigenen Mann) ihre Haare, das wäre eine Schande gewesen. Ein Tuch musste die Haare gänzlich verdecken. Bei der Arbeit und hauptsächlich während der Sommerhitze, wenn das Tuch lästig war, setzten sich die verheirateten Frauen weiße verzierte Strickhauben auf, die sie auch unter dem Tuch behielten, um es zu schonen, damit es nicht von den Haaren fettig wurde.

Cheb (Eger) und Umgebung

Die Tracht von Eger trägt die Merkmale der Bekleidung der deutschen Bevölkerung, die in der Zeit des Heranreifens der Trachten in Eger und Umgebung stark vertreten war. Die Regionalbekleidung konsolidierte sich in verhältnismäßig einheitlicher Form, die wir auch in den Gebieten um den Böhmerwald und das Erzgebirge antreffen.

In der Tracht von Eger ist bei Frauen wie bei Männern Schwarz dominierend . Häufige Bestandteile der Tracht sind aus Brokat und Seide . Die Frauen trugen samtene ausgearbeitete Mieder und schräg über die Brust ein Tuch. Typisch für die Frauentracht von Eger war die besondere Art und Weise des Bindens des Kopftuches im Nacken und in Form eines Kranzes über die Stirn.

Eine Besonderheit des Gebietes von Eger ist der Silberschmuck , der einen markanten Bestandteil der Frauentracht bildete. Diese Trachten wurden nicht nur im Gebiet von Eger, sondern auch im Erzgebirge getragen. Um Karlsbad, in der Gegend von Žlutice oder Teplá sowie an weiteren Orten des westlichen Grenzgebiets war die Frauentracht durch goldene oder silberne Hauben mit Bändern im Nacken gekennzeichnet. 

Chodenland

Das Chodenland ist das einzige Gebiet in Böhmen, wo die volkstümliche Kleidung bis heute erhalten blieb . Im eigentlichen Chodenland wurde die Festkleidung aus den 60er und 70er Jahren des 19. Jahrhunderts mit kleinen Abänderungen zur typischen Form. Heute ist sie nur außerordentlichen Anlässen vorbehalten und ist auf die nahe Umgebung von Domažlice (Taus) und Postrekov konzentriert.

Seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die Chodentracht in der Weise, dass drei unterschiedliche Gruppen entstanden: „dolský“ (von „udolí“ - Tal), „horský“ (von „hora“ - Berg) und die weniger bekannte staňkovský-Tracht (aus der Gegend von Staňkov). Die erstgenannte Tracht, die in den Dörfern im Tal um Domazlice getragen wurde (Mrákov, Klíčov, Tlumačov, Stráž, Újezd, Draženov, Počinovice und Lhota), war üppiger, wobei die Tracht die Silhouette oberhalb des Bundes betonte. Die Tracht der Bergdörfer, typisch für die Gemeinden rund um Postřekov, hatte eine schlichtere Form und betonte die Taille. Insgesamt erhielt sie sich einen archaischeren Charakter. Neben diesen beiden Typen gab es noch die dritte Tracht – staňkovský –, die allerdings Elemente der städtischen Mode aus den benachbarten Klatovy (Klattau) und Chotěsov übernahm.

Die Festtagsform der Volkstracht aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist womöglich auch bei den Folkloreensembles erhalten geblieben, die die volkstümlichen Bräuche und die Folklore der Choden bei zahlreichen Festlichkeiten vorführen. Auf der Chodenburg in Domazlice ist eine Dauerausstellung zu sehen, zu der auch eine Chodenhochzeit gehört.

Troppauer Schlesien

Die Troppauer Tracht bewahrt den Stil der Bekleidung mit Anklängen an die städtische Mode des 19. Jahrhunderts und zeigt eine Reihe gemeinsamer Züge mit einigen Trachten aus den wirtschaftlich prosperierenden Teilen Böhmens. Im Gebiet von Opava (Troppau) wurden Trachten nur etwa bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts getragen.

Die Frauentrachten wiesen den eher allgemeinen Stil ihrer Zeit auf. Originell waren die Hauben : Zum einen weiß, fein gestickt am Deckel, mit Valenzianischer Spitze eingesäumt, zum anderen mit entwickelterer Stickerei und mit einer Menge Goldflitter und Glasperlen verziert. Der zweite Typ der prunkvollen Haube ist aus bunter Seide und Samt mit golden gesticktem Deckel und um den Rand herum mit goldener Spitze und grauem Kaninchenpelz eingesäumt. Die Haube hat die Form einer mittelalterlichen Kappe mit verlängerten Ohrenklappen und langen Bändern. Die schlesischen Bänder sind charakteristisch für ihre Breite und ihr feines, auf den Stil der Tracht abgestimmtes Muster. Sie wurden um die Hauben und im Bündchen mit einer Schleife nach vorn gebunden und bildeten oftmals den Hauptschmuck der Bekleidung.

Die Männer übernehmen bald die dunkle zeitgenössische Bekleidung mit langen, für gewöhnlich in die Stiefel gesteckten, Hosen , weißen Hemden, Westen und Joppen mit Metallknöpfen, zeitgenössischen Hüten, z. B. auch Zylindern, und dunkle Seidentüchern am Hals.

Die Umgebung von Pilsen

Das Gebiet der Pilsner Tracht umfasste insgesamt etwa 30 Dörfer und kann ungefähr mit folgenden Punkten abgesteckt werden: im Norden Ledce und Záluží, im Osten Dejšiná und das ziemlich entlegene Ejpovice, südlich Plzenec und Outušice, im Westen Vejprnice und Křimice. Der Einfluss der Volkstracht kam auch in Pilsen stark zur Geltung, wo sie vor allem in den Vorstädten getragen wurde.

Der Charakter der Pilsner Tracht war genau ausgeprägt , er unterlag in den Randgebieten nicht den Einflüssen der benachbarten Trachtengebiete, wie es was häufig bei den meisten übrigen Trachten anzutreffen ist. Da das eigentliche Gebiet der Tracht nicht besonders groß war, wies sie keine wesentlichen Abweichungen auf, und wenn welche von Dorf zu Dorf auftraten, waren sie sehr geringfügig.

Die Individualität der Pilsner Frauentracht besteht vor allem in der ungewöhnlichen Breite , die die Pilsner Frauen durch eine so große Anzahl von Röcken erzielten, wie es nirgendwo anders üblich war. Wenn bei einer anderen Tracht fünf bis sechs Unterröcke bereits die höchste Anzahl darstellten, handelte es sich hier erst um den Anfang, denn die damaligen „Zierpuppen“ gestatteten sich für Feiertage 12 bis 15, ja manchmal sogar bis zu 24 Unterröcke. Daher war es kein Wunder, wenn sich die Frau die Röcke in der Kirche „leichter machte“, denn deren Last zu tragen erforderte auch bei einer robusten Landbewohnerin reichlich Anstrengung. Stickereien gab es an der Pilsner Tracht wenig – nur das Häubchen und die dazu gehörigen „Flügel“, die aus „Bändern“ – sog. „kalunky“ – hergerichtet waren, sowie die schmalen „Bänder“ an den Schürzen. Zu besonders festlichen Anlässen trugen die Frauen Tücher , sog. pleny, und nur verhältnismäßig selten auch weiße bestickte Schürzen .

Es gab also nicht viele Stickereien, dafür gehören sie zu den schönsten volkstümlichen Stickereien . Die Zierden, mit denen die Mieder und die weißen Tuchmäntel dekoriert waren, sind einfach und weniger ausgeprägt, so dass sie hinter den brillanten weißen Stickereien weit zurückbleiben. Das Hemd hatte bauschige Ärmel mittlerer Größe, die am Ellbogen in ein gewobenes Band eingenäht waren, wie es auch den Halsausschnitt einfasste.. Über die Brust wurde ein kleines Seidentuch gelegt, dessen Enden hinter das Mieder gesteckt wurden. An den Füßen trug man rote Strümpfe und ausgeschnittene Schuhe mit Absätzen , die über dem Spann mit einem grünen Band zusammengebunden waren. Diese wurden später durch samtene zusammengezogene Schuhe –„bůtky“– mit lackiertem ausgeschnittenem Rand ersetzt.

Auch die Pilsner Männertracht ist bescheiden. Die Oberstücke waren aus gutem blauen, am Rande rot eingefassten Tuch genäht. Alle Bestandteile wurden mit goldglänzenden Messingknöpfen zugeknöpft. Die hellen Hirschlederhosen waren oft mit gesteppten Ornamenten verziert. Man trug hohe harte Schuhe, die bis zu den Knien reichten, gegebenenfalls weiche Stulpenstiefel. 

Die Kopfbedeckung für Ledige wie für Verheiratete zu weniger festlichen Anlässen war die Otterfellmütze. Der Deckel war gewöhnlich rot samten und darüber wurde sechsmal eine goldene Schnur in Form eines Sternchens aufgenäht und in der Mitte mit einer goldenen Bommel festgehalten. Zur Festtracht trugen die Männer schwarze Kastorhüte aus Biberhaar mit geringer Fläche und etwas eingedrücktem Kopf, um den ein schwarzes Band gewunden war. Der Rand war breiter und ebenfalls gerade. An der Unterseite waren an beiden Seiten schwarze Seidenbänder angenäht, mit denen der Hut unter dem Kinn zugebunden wurde.

Prachen und Umgebung

Der Kreis Prachen bedeckte einen großen Teil Südböhmens, seine Hauptorte waren die altertümlichen Städte Písek (Pisek), Strakonice (Strakonitz), Volary (Wallern) und Milevsko (Mühlhausen). Bezüglich der Tracht ist das Gebiet nicht einheitlich und auch nicht besonders ausgeprägt.

Die Prachener Frauentracht hatte ein sehr ernstes und ruhiges Aussehen, sie stach durch ein weißes gesticktes Pflanzenornament und Blumen mit fein genähtem Gespinst hervor. Zur festlichen Tracht trugen die Frauen weiße, bestickte Röcke, die über die halbe Wade reichten, breit und im Bund in dicke Falten gebauscht waren. Zum weißen Rock gehörte eine Seidenschürze , braun, lila, rot, manchmal buntscheckig, die bis zum Rockrand reichte. Zu farbigen Röcken wurden weiße Schürzen getragen. Um den Hals hatten die Frauen eine weiß gestickte Krause . Auf die Schulter wurde ein schräg zusammengelegtes Seidentuch gelegt, dessen Zipfel in das Mieder gesteckt wurden. Die Haare trugen sie gescheitelt und tief zu den Ohren gekämmt, über die Stirn ein schmales schwarzes Samtband. Auf dem Kopf trugen die Frauen ein unter dem Kinn festgebundenes Tuch.

Die Männer trugen Lederhosen , die „brslenky“ genannt wurden, Wollstrümpfe und hohe Schuhe . Ihre Festtagshemden hatten lange und breite Ärmel bis zum Handgelenk, einen Halskragen und mit schwarzer Baumwolle gestickte Manschetten, an den Schultern waren die Ärmel bauschig. Unter den Kragen wurde ein Seidentuch gebunden. Die Männer trugen nie Halsbänder. Die Joppe war kurz, nur bis zum Bund, vorn und am Hals mit roter Paspel eingefasst. Vorn war sie mit zwei Reihen glänzender Knöpfe versehen. Nach der Hochzeit trug der Mann einen langen Mantel mit zwei Rockschößen , die sich beim Gehen ausbreiteten. Auf dem Kopf trugen die Männer einen Hut bzw. eine Ottermütze oder eine runde Lammfellmütze. Die älteren Herren pflegten im Winter kurze Mäntel aus Schafsleder zu tragen, die an den Rändern mit schwarzem Lammfell dekoriert waren. Die Nähte wurden mit buntem Zwirn verziert – manche hatten auf dem Rücken eine gestickte Blüte, gewöhnlich eine Tulpe. Zum Ledermantel gehörte eine Lammfellmütze.

Obere und Untere Mährische Slowakei

Mährische Slowakei ist die Bezeichnung für ein großes Gebiet mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und komplizierter historischer Entwicklung, das einen wesentlichen Teil von Südostmähren und den dortigen Einwohnern umfasst.

Die Tracht blieb in dieser relativ großen Region am längsten erhalten. Bis heute tragen die Leute hier teilweise Trachten, vor allem alte Frauen und die Jugend . Die Alten tragen eine vereinfachte Tracht für den Tagesbedarf, die vor allem an der Silhouette und an der Komposition der Bestandteile zu erkennen ist, d.h. kurze breite Röcke, Schürze, Joppe und Kopftuch in verschiedenen Ausführungen. 

Die Jugend, und zwar auch deren männlicher Teil, trägt dagegen Trachten nur einige Male im Jahr , z. B. bei Schlachtfesten, dabei handelt es sich allerdings um Trachten in ihren reichsten, geschmücktesten Formen.

Tábor und Umgebung

In der Umgebung von Tábor wurde die sog. Kosakentracht getragen, die nach dem Bekanntheitsgrad neben der Tracht von Blata und Doudlebsko in Südböhmen den dritten Platz einnimmt. Den sonderbaren Namen „Kosakentracht“ (kozácký) bekam die Tracht von Tábor aus unbekanntem Grund. Vielleicht deshalb, weil der Ausläufer an der Männerjacke an einen Ziegenschwanz erinnerte und die harten Enden der Flügelhaube unter dem großen Kopftuch der Frauen an Ziegenhörner (das tschechische Wort „koza“ bedeutet Ziege). Vielleicht deshalb, weil das Vorwort „kozí“ (Ziegen-) in der Gegend von Tábor sehr oft vorkommt (Ortschaft Kozi Hradek, Koszky bzw. Kozi potok - Ziegenbach u.ä.). Wahrscheinlich ist der Grund dafür, dass die Region um Tabor ein armer Landstrich war, in dem mehr Ziegen als Kühe gezüchtet wurden. Der Name „kozáci“ (Kosaken) soll ein Spottname gewesen sein.

Die Kosakentracht der Frauen ragte durch eine Fülle von Blumenstickereien hervor. Meistens wurden Baumwollstoffe bestickt, weil sie gefügiger sind und die Stickerei beständiger war. Leinen bricht bald und die Füllungen fallen heraus. Dünnes Leinen wurde nur in der Harrachsdorfer Domäne für sog. „Fěrtochy“ (Schürzen) verwendet. Die Fertochy wurden vorne zugebunden. Die ganze Fläche war mit Blumen verziert (manchmal mit bis zu acht Sorten). Die Strümpfe waren weiß, dazu schwarze Schuhe mit plissiertem Textileinsatz und Knöpfen. Ledige Mädchen trugen eine Tracht, die durch ihr Weiß und durch flatternde bunte Bänder charakteristisch war. Verheiratete Frauen hatten eine Tracht mit ruhigeren und gedämpfteren Farben.

Die Männertracht war schlichter. Das Hemd war aus dünnem Leinenzeug – ohne Stickerei. Nur ein paar Aufschläge waren an die Seite des Vorhemdes genäht. Unter dem glatten Kragen wurde ein Seidentuch gebunden. Die Weste war von einfachem Schnitt, mit einer Reihe von Metallknöpfen . Die Jacke war anliegend, ohne Verzierungen, nur hinten mit spitz abstehendem Schoß, der den Anstoß für den Spottnamen „Kosak“ gab. Der lange Mantel hatte ein eng anliegendes Oberteil, das bis zum Bund reichte, einen erhöhten Kragen und kleine Aufschläge, die Ärmel in den Schultern erweitert und am Handgelenk eng. Der Tuchstoff war von blauer oder brauner Farbe. Bei den Hosen handelte es sich meistens um enge Lederhosen – sog. „prástěnky“ – unter dem Knie mit Riemen gebunden. Die Strümpfe pflegten weiß oder blau zu sein, die niedrigen Schuhe wurden von harten Schaftschuhen abgelöst.

Walachei

Die walachischen Trachten, die bis auf einige Ausnahmen allmählich verschwanden , bekommen wir heute nur noch in Museen, bei ethnographischen Feierlichkeiten und bei einigen Volkskunsttänzern und Volksmusikensembles zu sehen.

Die traditionelle walachische Tracht besteht aus einem Pelz , einem weißen Hemd , einer engen Hose , „krpce“ genannten Schuhen und einem Hut . Bei den Frauen wird die Tracht dann von einem weißen groben plissierten Rock , vorne einer schwarzen Schürze , einem Mieder mit Überärmeln und einem weißen bestickten Kopftuch gebildet.

 
 
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Datum: 01.01.2010
 
 
 

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